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Schwimmende Inseln der Uros

Tag 24: Pisaq - Altiplano - Puno

Etwa 30km vor Puno nehmen wir unseren Guide für den restlichen heutigen und morgigen Tag, den Peruaner Vladimiro, auf. Mit ihm fahren wir zu den Grabtürmen der Sillustani am Umayo-See. Sillustani war ein bedeutendes Zentrum der Colla-Kultur, die sich etwa um 1200 n. Chr. in der Gegend hier nahe am Titicacasee etablierte und im Jahre 1445 von den Inkas besiegt wurde.

In Sillustani begruben die Colla in so genannten Chullpas (Begräbnistürme) ihre wichtigsten Persönlichkeiten. Aufgrund von Erdbeben und bereits erfolgter Plünderungen sind viele Türme nicht mehr vollständig.

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Begräbnisturm (Chullpa) der Sillustani-Kultur bei Puno

Im Anschluss daran statten wir einer Bauernfamilie in der Nähe einen Besuch ab, um etwas aus erster Hand von deren Lebensweise zu erfahren, diesmal ohne für jedes Foto bezahlen zu müssen. Hier im “hohen” Hochland auf über 4000m benützt man keine Adobe-Ziegel mehr für die Außenwände bei den Häusern, sondern Steine. Der Herd befindet sich außerhalb der “Einzimmerwohnungen”. In unmittelbarer Nähe sind dann die Stallungen der Meerschweinchen (dem Grundnahrungsmittel im Altiplano) vorhanden. Um nächtlichen Nahrungskonkurrenten (Fuchs & Co) die Arbeit zu vermiesen, werden diese Stallungen nachts räuberdicht verschlossen.

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Außenherd einer Altiplano-Bauernfamilie bei Puno

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Meerschweinchnestall einer Altiplano-Bauernfamilie bei Puno

Zur Erledigung dringender Geschäfte befindet sich etwas abseits des mit einer Steinmauer umrandeten Bauernhofs ein Toilettenhäuschen, angepasst zur erwarteten Hauptwindrichtung.

Da in diesen Höhen nur allergeringster Ackerbau betrieben wird, meist werden großflächig Lamas und Alpakas in gemeinschaftlichen Herden geweidet, hat man dazu auch keine maschinellen Hilfsmittel. Gepflügt werden die Felder mit dem Handpflug, wie es uns der Bauer auch zeigt. Natürlich darf eine kleine Verköstigung mit Kartoffeln aller Art (in Peru gibt es Unmengen von Arten, bei uns eigentlich nur Sorten) gepaart mit selbst gemachten Soßen.

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Arbeiten mit dem Handpflug, links hinten die Toilettenanlage

Noch 30km sind es bis zur Stadt Puno am Titicacasee, wo wir heute in einem Innenstadthotel übernachten werden. Den Weg dorthin müssen wir uns durch ein heftiges Gewitter bahnen, erschwerend kommt hinzu, dass in Teilen der Stadt auch noch der Strom ausfällt.

Aber bis zum Zeitpunkt des geplanten Abendessens finden wir doch noch den Weg zum geplanten Ort unseres Abendessens.

Tag 25: Titicacasee, Uro-Inseln und Isla Taquile

Der auf 3810m ü.N.N. liegende Titicacasee ist das höchstgelegene kommerziell und schiffbar genutzte Gewässer auf der Welt. Mit seinen mehr als 8250 qkm ist er fast 13 Mal größer als der Bodensee, 70% seiner Fläche gehören zu Peru, der Rest zu Bolivien. Und da Bolivien sein einziges Militärschiff an diesem See stationiert hat, kann man mit Fug und Recht behaupten, Bolivien ist das einzige Land der Welt mit einer “Gebirgsmarine”.

Obwohl die Wassertemperaturen im See kaum über 12°C steigen, gilt er als Tropensee, begründet auch dadurch, weil er als riesiger Wärmespeicher für das Altiplano gilt. Um ihn herum werden auch Mais, Gerste und Kartoffeln angebaut.

Rund um Puno hat der Titicacasee einen regelrechten Schilfgürtel, den so genannten “totoral” angelegt. In diesem Schilfbereich haben früher das Volk der “echten” Uros gelebt, die sich selbst als “Seemenschen” bezeichneten. Die heutigen (nicht mehr reinrassigen) Uros versuchen diese Uro-Kultur zu erhalten. Hauptpunkt dieser Kultur ist das Leben auf den schwimmenden Inseln im Schilfgürtel des Titicacasees. Die ursprünglich sehr dunkelhäutigen Uros sprechen auch Aymara im Unterschied zum Quechua der Inkas, sie wurden auch nie von den Inkas unterworfen. Die heutigen “Uros”, die oft auch ein Haus am Festland haben, leben überwiegend vom Tourismus.

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Schwimmende Inseln der Uros

Zu diesen Uro-Inseln wollen wir heute mit dem Boot eines einheimischen Kapitäns fahren. Ware Kanäle gehen hier durch den Schilfgürtel bis wir zu den schwimmenden Inseln kommen. Jede Familie baut sich seine eigene etwa 30x50m große Insel, deren Haltbarkeit nur einige Jahre ist. Auf dem etwa 50cm dicken Mutterboden des Schilfs, der in etwa 1/4 qm großen miteinander verbundenen Würfeln zusammengefügt wird, werden viele Lagen von Schilfrohren im Kreuzverbund gelegt, sodass eine tragfähige aber noch mit etwas Seegang behaftete Grundfläche entsteht. Diese Insel wird dann mit Tauen an einem Punkt im Schilf verankert, damit sie ortsunveränderlich bleibt. Passt der Ort nicht (mehr), dann kappt man das Tau und verlegt die Insel um den gewünschten Weg.

Auf diese kellerlose “Bodenplatte” werden dann die benötigten Gebäude erstellt, es gibt auch Inseln mit Hotelzimmer, Restaurant und Schule. Die Inseln haben auch einen Garten und einen eigenen komorangesicherten Fischteich (Schutznetz), ebenfalls haben sie eine kleine Bucht für die besitzereigenen Boote.

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“Bauvorführung” auf den schwimmende Inseln

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Schlafzimmer auf den schwimmende Inseln, rechts der Inselgarten

Will man einmal einen anderen Fisch als im eigenen Fischteich vorhanden angeln , dann wird einfach ein kleines Loch in die Insel gebohrt und man beginnt mit dem “Eisfischen” auf peruanische Art.

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 Inseleigener Fischteich (mit Kormoranschutz)

Durch das Leben über Generationen auf den schwankenden Inseln haben die meisten Inselbewohner Füße (d.h. was der Nichtbayer unter Füße versteht), die an Klumpfüße erinnern. Natürlich ist für die Touristen auch eine Fahrt mit den Totora-Booten, den Schilfbooten, inbegriffen.

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Isla Taquile und Titicacasee

Gut 2 Stunden wird die Weiterfahrt mit unserem Boot bis zur mitten im Titicacasee gelegenen Isla Taquile dauern. Früher noch ein Geheimtipp für Peru, so gehört sie heute schon zum Standardprogramm einer Perureise.

Und das nur um Männer beim Stricken zu sehen?

Damit ist auch schon die Hauptattraktion der kaum 5 qkm großen Insel genannt. Neben dem Terrassenanbau auf der bis zu 264m hohen Insel verdienen die Frauen zusätzliches Geld mit eigenen Weberzeugnissen, die Männer haben sich auf das Stricken verlegt.

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Isla Taquile, Insel der strickenden Männer

Man sieht hier auch sehr viele Inselbewohner in der inselüblichen Tracht. Die in einer strengen Gemeinschaft lebenden Inselbewohner kann man, was die Männer betrifft, anhand der Kopfbedeckung unterscheiden, in welchem Hafen sie eingelaufen sind oder sein wollen oder noch auf der Suche sind. Oder vereinfacht: Wer ist verheiratet, wer ist verlobt und wer ist noch auf der Suche nach einer Frau.

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Inselbewohner in ihrer Inseltracht

Auch heute merkt man dem Großteil unserer Gruppe an, dass mehr als 3 Wochen in Peru vergangen sind und dabei fast 20 Tage auf Höhen um oder über Zugspitzniveau. War die Arbeitsverweigerung (Wandern) in Pisaq noch auf das Wetter geschoben worden, so treten sie heute fast geschlossen, trotz herrlichem Wetter und fantastischer Fernsicht bis zur Königskordillere in Bolivien, in einem regelrechten Bummelstreik. Anders kann ich mir nicht erklären, warum ich so ewig lange im Pueblo (dem Inselzentrum) habe auf sie warten müssen, obwohl ich schon im Gänsemarsch gewandert bin. Man kann doch nicht für 3km und kaum mehr als 100 Höhenmeter mehr als 2 Stunden brauchen!

Nach einer Mittagsrast wandern wir zur nächsten Schiffsanlegestelle, wo uns unser Boot wieder aufnimmt und die 3stündige Rückfahrt nach Puno beginnen kann.

 

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