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Panoramaaufnahme zum Sonnenaufgang mit 5 Achtausender (auf das Bild oder hier klicken, um die Originalgröße des Bildes zu sehen) (ca. 18000x4000 Pixel)

Mera Peak High Camp - Sonnenaufgang

Da ja wegen der stabilen Seitenlage meines Zeltes für mich heute Nacht kein vernünftiger Schlaf möglich ist, nutze ich einen nächtlichen “Geschäftsvorgang” für ein Foto des Vollmondes über dem Kanchenjunga. Die Szenerie wirkt schon etwas komisch: die Wolkendecke unterhalb vom Highcamp könnte fast eine Tischdecke sein und der Schein des Mondes eine kleine Nachttischlampe an der Zimmerdecke. Nur in einem Zimmer ist es nie so kalt. Die eigentliche Temperatur kann ich aber nicht einschätzen. Die kurze Unterwäsche und das kurzärmliche T-Shirt lassen keine aussagekräftige Beurteilung zu. Aber zweistellig im Minusbereich dürfte es wegen der Knarzgeräusche des Schnees beim darüber Hinweggehen schon sein, tendenziell aber eher wärmer als die Nacht zuvor im Basecamp.

Wobei ich meine Kälteempfindung nicht verallgemeinern darf. Bei kalten Bedingungen in und um das Zelt versuche ich bei nächtlichen “Pinkelstopps” die 3-Minuten-Regel anzuwenden. Zwischen Verlassen des Schlafsacks, raus aus dem Zelt, Pinkeln, rein ins Zelt und rein in den Schlafsack darf es nur drei Minuten dauern. D.h. gekleidet wie im Schlafsack funktioniert alles, wenn es draußen nicht matschig ist dann auch noch barfuß, auch bei -10°C. Nach den drei Minuten ist der Kreislauf v.a. an den Füssen so auf Touren gekommen, dass es später im Schlafsack automatisch warme Füße und Beine gibt.

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Vollmondnacht über den Kanchenjunga

Aussagekräftiger bezüglich des persönlichen Höhenwohlbefindens ist da schon die Messung von Sauerstoffsättigung und Ruhepuls. Den Wert der Sauerstoffsättigung kann ich gar nicht glauben, sie liegt bei über 80% (auf fast 6000m Höhe!) und die Finger sind noch nicht einmal wieder schlafsackwarm. Der Ruhepuls ist identisch wie in heimischen Gefilden irgendwo zwischen 60 und 70. Kein Kopfweh, keine Übelkeit, keine Appetitlosigkeit, eigentlich nichts, was auf Formen einer Höhenkrankheit hindeuten würde.

Sowohl von den äußeren Bedingungen als auch von meinem Gesundheitszustand wäre der Aufstieg zum Gipfel problemlos möglich. Aber: Entschieden ist Entschieden! Kein Weg zurück! Kein Bock auf nochmal einen virtuellen Tritt gegen das Schienbein.

Mehr oder weniger im Wach sein verläuft der Rest der begonnenen Nacht. Es dauert auch mehr als 2 Stunden, von 1 bis 3 Uhr, bis in der “Zeltstadt” nach dem Starten der Gipfelaspiranten wieder Ruhe einkehrt.

Da um 5:30 Uhr mit dem Sonnenaufgang zu rechnen ist, geht es gegen 5:10 Uhr aus dem warmen Schlafsack und ich ziehe mich warm an, da es meist nach Sonnenaufgang am kältesten ist. Um mir unnötige Aufwärmphasen zu ersparen, habe ich ja die langen Liebestöter die Nacht über schon im Fußbereich des Schlafsacks angewärmt. Über die Liebestöter gibt es jetzt dann die Trekkinghose und in der Oberbekleidung zusätzlich zum Fleece-Pullover noch das Sweatshirt und darüber dann die Hardshell-Jacke. Die Daunenjacke bleibt “originalverpackt” in der Packtasche, findet also auf dieser Tour zusammen mit meiner dünne Daunenhose keine Anwendung. Mit der Spiegelreflex und der GoPro bewaffnet zwänge ich mich außerhalb meines Zeltes zwischen dem Felsen und dem den weiteren Weg versperrenden Zelt meines Climbingguides vorbei. Im Camp ist bis auf die obligatorischen “Holzfällergeräusche” nichts zu hören.

Eigentlich hatte ich erwartet, dass mein Climbingguide zum Sonnenaufgang mitgeht, er weiß ja von meinem Ansinnen, aber aus seinem Zelt rührt sich nichts, kein Geraschel, einfach gar nichts. Ich kann mich somit auch nicht aus dem Camp abmelden.

Allein auf weiter Flur mache ich mich auf den Weg zum Aussichtspunkt auf der anderen Seite des High-Camp-Felsens. Zeitig vor Sonnenaufgang komme ich dort an und bin ganz alleine.

Es dämmert zwar schon, vor allem im Osten wirkt der Himmel schon gelblich, aber es ist noch sehr dunkel.

Full-HD-Video - Vor Beginn der Morgendämmerung

In den nächsten Minuten weicht die Nacht immer mehr der Dämmerung und dem zunehmenden Tageslicht. Die Berge im Osten und v.a. der Kanchenjunga glänzen schon im Tageslicht und über dem Cho Oyu im Westen herrscht noch eine tiefe Nachtruhe.

Full-HD-Video - Bergwelt der Achttausender in der Morgendämmerung

Die Szenerie wirkt sehr surreal, man könnte fast meinen, hier ist das Miniaturwunderland von Hamburg und der Himmel ist die Hintergrundbeleuchtung. Kein Ton ist zu hören, kein Wind, keine Touris, nur die Geräusche des eigenen Atems und des eigenen Herzschlags verhindern die absolute Stille.

Alle folgenden Bilder, mit Ausnahme des letzten 4-fach Bildes, sind vom identischen Standpunkt aus fotografiert und in zeitlicher Reihenfolge sortiert.

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Stimmung vor Sonnenaufgang am Mera Peak. Die kleine und niedriger wirkende “Zacke” rechts der Bildmitte ist der eigentliche Gipfel des Mera Peak, der nur sehr schwer zu erreichende 6476m hohe Mera Peak North.

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Makalu und Chamlang in der Morgendämmerung, links im Hintergrund in 27km Entfernung. In Bildmitte der 7319m hohe Chamlang in kaum 10km Entfernung. Fotografiert in unmittelbarer Nähe vom Mera High Camp aus über 5800m Höhe.

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Blauer “Nachthimmel” im Westen hinter dem Cho Oyu

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Die Nacht im Westen beginnt zu schwinden, aus dem Blau wird ein “Weißorange”

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Die Nacht im Westen beginnt weiter zu schwinden, aus dem “Weißorange” wird jetzt ein ”Rotbraunorange”

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Panoramaaufnahme zum Sonnenaufgang mit 5 Achtausender (auf das Bild oder hier klicken, um die Originalgröße des Bildes zu sehen) (ca. 18000x4000 Pixel)

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Erste Sonnenstrahlen im Osten versuchen hinter dem Kanchenjunga hervorzuschauen

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An der Ostflanke von Mount Everest und Lhotse sind die ersten Sonnenstrahlen zu sehen

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Hinter der Ama Dablam (links) ist es noch weißorange dämmrig, hinter dem Makalu rechts ist es schon taghell

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Erste Sonnenstrahlen im Osten versuchen hinter dem Kanchenjunga hervorzuschauen

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Erste Sonnenstrahlen über dem Thamserku in Bildmitte im Osten, Cho Oyu und Ama Dablam rechts sind noch im “Dunkeln”

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Die vorherige Szenerie 75 Sekunden später: Alpenglühen über der Nordflanke des Kyashar und der Ostflanke des Thamserku und keine Anzeichen von Licht am Kangtega

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Die vorherige Szenerie nochmals eine Minute später: Nun auch Sonnenlicht über dem Cho Oyu

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Als würde er sagen wollen: “Ich halte mich aus allem raus”. Nur der nordöstliche Bereich des Makalu hat schon Sonne

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Einsam wacht: Nur Sonnenschein am Pumori (7161m). Die Ama Dablam halblinks hat noch Keinen und auch der Nuptse rechts muss noch auf Sonnenlicht verzichten.

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Sonnenstrahlen an Nuptse, Everest und Lhotse

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Die Nacht im Westen gehört nun der Vergangenheit an

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Endlich ist auch der Kangtega im gleißenden Sonnenlicht

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Stimmung nach Sonnenaufgang am Mera Peak. Die kleine und niedriger wirkende “Zacke” rechts der Bildmitte ist der eigentliche Gipfel des Mera Peak, der nur sehr schwer zu erreichende 6476m hohe Mera Peak North.

Da das menschliche Auge schnell vergangene Lichtverhältnisse vergisst: So ändern sich die Lichtverhältnisse in Richtung Süden. Keine 20 Minuten sind zwischen dem ersten Bild rechts oben und den folgenden Bildern im Uhrzeigersinn vergangen.

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Viermal Mera Peak in 20 Minuten

Mit unvergesslich in die Erinnerung eingebrannten Eindrücken mache ich mich zurück auf dem Weg zum High Camp. Bis jetzt habe ich diese Eindrücke ganz für mich alleine erleben und genießen dürfen. Erst kurz vor dem Camp kommt mir mein Climbing-Guide entgegen, im Camp angekommen ist nur in den Kochzelten ein Betrieb.

 

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