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Auf 4100m bei Conococha mit Blick auf die Cordillera Blanca

Lagune

Im Hochtal über den Rio Santa mit Blick auf die Cordillera Blanca

Tag 4: Lima - Huaraz

Auf der Panamericana in Richtung Norden werden wir heute Lima verlassen. Schier endlos ziehen sich die Randbezirke von Lima hin. Auch die Bausubstanz verändert sich im Vergleich zur mondänen Innenstadt gewaltig. Auf den allermeisten Häusern, die mehr als ein Stockwerk haben schauen die Eisenbewehrungen ungeschützt meterlang in den Himmel und das abschließende Dach fehlt. Fast könnte man meinen, man muss hier erst dann für ein Haus Steuern zahlen, wenn es komplett fertiggestellt ist.

Die Landschaft nördlich von Lima an der Panamericana, obwohl am Pazifik gelegen, ist öde und fast wüstenhaft, es sind viele Hühnerfarmen zu sehen. Sie bildet die stete Fortsetzung der schon in Nordchile beginnenden Atacamawüste.

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Hühnerfarm und Siedlung - Panamericana in Richtung Norden, (c) by A. Krohn

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Panamericana in Richtung Norden

Gut 200km nördlich von Lima verlassen wir bei Pativilca die Panamericana in Richtung Osten und biegen in das Tal des Rio Fortaleza ein, um nach 100km weiter in den Callejon de Huaylas, dem gut 3000m hochgelegenen Tal des Rio Santa zu gelangen. Von dort aus geht es weiter in das Städtchen Huaraz.

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Zuckerrohrfelder und Bewässerungsgraben

Während im künstlich bewässerten Tal noch riesige Zuckerrohrplantagen sind, ändert sich das Landschaftsbild mit jedem Höhenmeter. Und Höhenmeter werden es heute nicht wenige sein, am Pass an der Laguna Conococha werden wir auf 4100m ü.N.N. angelangt sein. Die Angst von manch einem unter uns mit der Höhenverträglichkeit ist hier nicht ganz unbegründet. Ich hatte zwar bei meinen zwei Reisen, wo ich in Höhen über 4000m kam, nie Probleme mit der Höhenkrankheit, aber ob dies jetzt wieder so sein wird?

Im Unterschied zu den meisten in der Gruppe verzichte ich komplett auf irgendwelche Mittelchen (Aspirin, Globoli, “Nepal Om-Om”, ...), Hauptsache man trinkt genügend, da man in solchen Höhen (und wir werden über eine Woche auf über 3000m sein) allein durch die Atmung sehr viel Flüssigkeit verliert. Auch sollte man versuchen, die Spielchen, die einem das eigene Unterbewusstsein und das Großhirn bezüglich des Umgangs mit großen Höhen anbieten, richtig zu deuten.

Durch viele Facetten des Tals des Rio Fortaleza schrauben wir uns immer höher, bis wir am zeitigen Nachmittag die Passhöhe erreichen. Von dort hat man einen herrlichen Blick auf die Armada der 5000er und 6000er-Berge der gegenüberliegenden schneebedeckten weißen Kordillere (“Cordillera Blanca”) und der fast schon in unserem Rücken befindlichen schwarzen Kordillere (“Cordillera Negra”, wie der Name schon vermuten lässt, ist an dieser Gebirgskette der Schnee Mangelware).

Auf einer zunächst noch neu geteerten Straße geht es im Hochtal des Rio Santa weiter in die Trekking-Hauptstadt Perus nach Huaraz. Kaum zu glauben, dass diese Straße mit dem Charme einer deutschen Gemeindeverbindungsstraße die einzige asphaltierte Verbindung zu der 180.000 Einwohner zählenden Stadt Huaraz ist.

Was wir hier wieder erleben, sind die typischen Verkehrsströme in Peru. Autoverkehr ist fast nur den in Städten selbst, zwischen den Städten fahren fast ausschließlich LKWs und Busse, deren Qualitäten und Zustände nicht unbedingt zu einer lebensverlängerten Maßnahme eines TÜV-Prüfers beiträgt. Und da es fast nie Eisenbahnverbindungen gibt (obwohl das massive Qualmen vieler LKWs sehr an Dampfloks erinnert), werden die ganzen Güter per LKW oder auf den Dächern der Busse transportiert.

Auf einer vor Huaraz zur Schlaglochpiste mutierten Straße erreichen wir mit dem Sonnenuntergang die am Hang gelegene Stadt Huaraz. Wegen vieler Baustellen und damit verbundener Umwege erreichen wir etwas verspätet unser Hotel.

Tag 5: Wanderung um Huaraz

Den heutigen Tag wollen wir als “Eingewöhnungstour” zum Wandern benützen. Mit mehreren Taxis fahren wir wieder einige Kilometer in Richtung Süden, um anschließend auf einem Feldweg weiter in die Höhe zu fahren.

An einer Ansiedlung beginnen wir mit der Wanderung. Absolut falsch wäre es in diesen Höhen, auch noch ohne Höhenanpassung, “schnell mal mit dem Wandern zu beginnen”, dies würde nur in einer massiven Atemnot ausarten. Aber Einige von uns packt doch der Ehrgeiz, sodass ich doch schnell im Mittelfeld der Gruppe lande, von 3500m soll es auf 3900m zu einer Lagune ansteigen. Nach 2 Stunden erreichen wir eine in einem Hochtal gelegene Lagune, wo wir Mittagsrast machen. Der Ausblick auf die Bergwelt der Cordillera Blanca entschädigt für alle Mühen.

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Blick auf die Cordillera Blanca

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Blick auf die Cordillera Blanca, (c) by A. Krohn

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Lagune

Auf Pfaden der Einheimischen geht es etwa 900 Höhenmeter wieder nach unten. Der Abstieg wäre eigentlich nicht unbedingt fordernd, aber ich habe heute Morgen eine bis dahin nicht dringliche Sitzung sausen lassen, und mein Verdauungsapparat will diesen Fauxpas unbedingt nachholen. Meine Überredungskünste, dass er (der Verdauungsapparat) doch bis zum Hotel später noch warten solle, sind ohne Überzeugungskraft. Nur wo kann ich hier im oft gebüschlosen Gelände ohne Spaten dringende Geschäfte erledigen, ohne dabei in eine besch...eidene Lage zu geraten? Aber wenn man einen Ausweg finden will, dann bietet sich einem auch hier einer.

Erleichtert kann ich nun den Rest der Wanderung in Angriff nehmen. Da die Wanderung außerhalb von Huaraz endet, benötigen wir wieder einheimische Fortbewegungsmittel zur Rückkehr. Mit einem Collektivo, einem Sammeltaxi ohne Fahrplan, fahren wieder in die Stadt zurück. Vom Fahrstil her muss der Fahrer jedes Schlagloch überfliegen, weil soviel Treffergenauigkeit dieselbigen nicht zu treffen ist schon rekordverdächtig. Zu einem verspäteten Nachmittagstee sind wir wieder im Hotel.

Tag 6: Fahrt in den Nationalpark Huascaran

Heute verlassen wir Huaraz für 2 Nächte, um in den Nationalpark Huascaran zu fahren. Wir fahren zunächst weiter in Richtung Norden, in einem Ort versorgen wir uns noch auf dem örtlichen Markt mit Frischobst und Gemüse, da die nächsten Übernachtungen Camping-Übernachtungen sein werden. Über dem Tal thront majestätisch der höchste Berg Perus, der Nevado Huascaran mit seinen 6768m. Da wir uns hier auf etwa 3000m befinden, sieht man fast 4000m seiner Westflanke.

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Nevado Huascaran 6768m vom Rio Santo Tal aus

Einen ausgiebigen Aufenthalt genehmigen wir uns im Ort Yungay, der im Jahre 1970 traurige Berühmtheit erlangt hat. Durch ein Erdbeben am Pazifik im Jahre 1970 hervorgerufen rutschte eine riesige Eisflanke des Huascaran ab. Die dadurch entstehende Geröll- und Schlammlawine begrub bis auf den Friedhof den kompletten Ort und einen großen Teil des Tales. Ein 200m hoher Berg vor dem Ort konnte das Unglück nicht verhindern, sodass wahrscheinlich mehr als 20000 Menschen bei diesem Unglück den Tod fanden. Nur diejenigen, die sich innerhalb von 3 Minuten auf die Anhöhe am Friedhof flüchten konnten, konnten überleben.

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Yungay, die ehemalige Kirche

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Yungay, ein verschütteter Omnibus von 1970

Aber bitte wo geht es hier in Richtung Nationalpark Huascaran?

Die Himmelsrichtung ist ja eigentlich klar, aber die Baustellenwut an allen Straßen dorthin, zwingt uns zu einer ausgiebigen Suche einer Alternativroute, die auch mit einem gut 12 Tonnen schweren LKW befahrbar ist. Die einheimische Bevölkerung zu fragen ist zwecklos (wenn man 3 Leute fragt, bekommt man 4 Möglichkeiten, aber alle mit einem Kfz nicht fahrbar). Nach einigen Umwegen und Sackgassen lässt sich doch noch der richtige Weg finden. Es sind zwar nur 18km von Yungay zu unserem Zeltplatz in einem Hochtal mit unverbaubarem Blick auf die Schneeriesen Huandoy und Huascaran, aber einige Stunden vergehen dennoch.

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In einem Hochtal zum Nationalpark Huascaran, in den Wolken der 6360m hohe Huandoy

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Nevado Huandoy 6390m

Da nur 3 von 11 in der Gruppe zelten, gibt es eine riesige Auswahl an Plätzen. Schau`mer mal, wie meine erste Zeltnacht auf fast 3600m werden wird. Die frostfreien Temperaturen heute Abend sind doch schon mal sehr angenehm.

 

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